Rehago

Rehago | Steuerung der Muskulatur

Wie steuert unser Gehirn Muskeln und Bewegungen?

Die Ausführung einer Bewegung ist einer der komplexesten Vorgänge im menschlichen Körper. Das Zusammenspiel von über 650 Muskeln wird hochpräzise koordiniert – von Initiierung der Bewegung bis zur eigentlichen Muskelkontraktion vergehen nur wenige Millisekunden.

Die Themen im Überblick:

  • Der Weg durchs Nervensystem
  • Arten der Bewegung
  • Fehlfunktionen im Bewegungsablauf

Vom Gedanken bis zur Ausführung – der Weg durchs Nervensystem

Alle willkürlichen, also bewusst geplanten Bewegungen starten in der Hirnrinde. Von hier aus breiten sich Nervenimpulse entlang von bis zu 2 Meter langen Nervenfasern aus und werden mehrmals hochkomplex verschaltet. Das Rückenmark als „Autobahn“ des zentralen Nervensystems verteilt die Stromimpulse so, dass jede einzelne Muskelfaser präzise angesteuert werden kann – und das in Sekundenbruchteilen.

Im Rückenmark werden außerdem alle motorischen (also für die Bewegung essenziellen) Impulse auf die Gegenseite gekreuzt. Die rechte Hirnhälfte steuert Muskeln der linken Körperhälfte und umgekehrt. Bei Schlaganfällen treten die Lähmungserscheinungen daher fast immer seitenverkehrt zur betroffenen Hirnhälfte auf.

Das Kleinhirn greift regulierend und koordinierend in den Bewegungsprozess ein. Es ermöglicht die Feinmotorik und stimmt Nervenimpulse so untereinander ab, dass flüssige Bewegungen möglich sind.

Arten der Bewegung

Unser Körper verfügt über mehrere Bewegungssysteme. Neben aktiv ausgeführten Bewegungen werden auch einige Muskelfunktionen unterbewusst gesteuert.

Willkürliche Motorik
Durch die Zusammenarbeit von Hirnrinde, Kleinhirn und weiteren Verschaltungsstellen des zentralen Nervensystems (ZNS) sind aktive Bewegungen des Körpers möglich. Dieses System umfasst alle beeinflussbaren Bewegungen und steuert die sogenannte Skelettmuskulatur, also zum Beispiel die Muskeln der Arme und Beine.
Autonome Motorik
Die autonome oder viszerale Motorik steuert die Tätigkeit der inneren Organe. Wie der Name bereits verrät funktioniert dieses System komplett eigenständig und wir können bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Atmung) keinen Einfluss darauf nehmen.
Reflexsysteme
Reflexe sind in „vorprogrammierten“ Reflexbögen strukturiert. Das Anstoßen des Knies beispielsweise führt reflektorisch zur Streckung des Beins und somit zur Stabilisierung des Standes. Reflexe sind nicht beeinflussbar und werden meist direkt vom Rückenmark gesteuert. Das erspart Zeit: Zum Hirn auf- und wieder absteigende Nervenkaskaden würden hier zu lange dauern.

Wenn‘s mal nicht läuft

Ist der regelrechte Ablauf diese Systeme gestört, äußert sich dies in Lähmungen, Krampfanfällen oder komplexen Syndromen. Lähmungen entstehen bei Unterbrechung der motorischen Nervenwege. Grund ist entweder eine Verletzung des zentralen Nervensystems, zum Beispiel in Folge eines Schlaganfalls, oder bei Durchtrennung peripherer Nerven. Krampfanfälle treten insbesondere bei Fehlregulationen in den motorischen Arealen des Hirns auf. Bei Schäden des Kleinhirns versagt unter anderem der flüssige Bewegungsablauf; Betroffene fallen oft durch Schwierigkeiten beim Gehen auf.

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