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Was ist Multiple Sklerose?

Die Krankheit der tausend Gesichter

Die Multiple Sklerose – oder kurz: MS – ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die mit Entzündungen des Nervensystems einhergeht. Die Vielfalt der Symptome haben der Erkrankung den Namen „Krankheit der tausend Gesichter“ gegeben. In diesem Text besprechen wir die wichtigsten Fakten rund um die MS.

Autorin: Jing Wu

Durch die Erkrankung werden (körpereigene) Strukturen des zentralen Nervensystems angegriffen und zerstört. Die Ursachen der Erkrankung sind unklar, jedoch basieren Vermutungen auf den Einfluss von Lebensmittel- und Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Vitamin-D-Mangel oder auch Zigarettenkonsum.

Das Denken sowie verschiedene Körperfunktionen durch die Übermittlung von Signalen über Nervenfasern werden durch das zentrale Nervensystem (ZNS) gesteuert. Diese Nervenfasern sind wie elektrische Kabel, welche von einer Isolierschicht umgeben sind, sogenannte Mark- oder Myelinscheiden.

In Folge von Entzündungen im zentralen Nervensystem (ZNS) entstehen Gewebeschäden, durch die Schädigung des Myelin entstehen Übertragungsfehler und daraus resultierende Symptome. Die betroffenen ZNS-Regionen äußern sich unterschiedlich: Gefühlsverlust, gestörtes Sehvermögen, Ermüdung, Kribbeln oder eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit.

Rehago | Close-up von Auge

Auf einem Instagram-Foto der US-amerikanischen Schauspielerin Selma Blair dreht diese der Kamera den Rücken zu. Sie trägt ein langes Kleid, ihre Fingernägel sind lackiert. Die linke Hand hält sie ästhetisch in die Höhe, eine ganz normale Kunstfotografie, könnte man meinen. Was dem Betrachter jedoch sofort ins Auge fällt, ist der lange Gehstock, auf dem Blair ihre rechte Hand stützt. Blair, bekannt aus Filmen wie „Natürlich Blond“ und „Hellboy“ hat Multiple Sklerose. Ebenso wie der südafrikanische Schlagersänger Howard Carpendale, die kanadische R&B-Sängerin Tamia Hill und Ann Romney, die Ehefrau des ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. MS ist eine häufige Erkrankung des zentralen Nervensystems, in Deutschland leben Schätzungen zufolge bis zu 250.000 Menschen mit der Diagnose, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer.

Wie entsteht MS?

Bis heute (Stand 2020) weiß die Wissenschaft nicht genau, wie MS entsteht. Forscher vermuten, dass MS eine Autoimmunkrankheit ist, bei der es aufgrund einer Überreaktion bestimmter weißer Blutkörperchen im zentralen Nervensystem zu herdförmigen Entzündungen kommt. Diese Entzündungen zerstören unter anderem die Myelinscheiden, welche Nervenfasern umhüllen. Nachdem der Rückbildung der Entzündungen bleiben oftmals Läsionen und narbige Verhärtungen des Gewebes zurück, die der Erkrankung ihren Namen geben. Multiple Sklerose bedeutet übersetzt so viel wie „viele Verhärtungen“.

Wie wird die MS diagnostiziert?

Durch die Kernspintomographie können die unterschiedlichen Läsionen bei einer MS dargestellt werden. Zudem kann etwas Nervenwasser durch eine Lumbalpunktion entnommen werden, um nach bestimmten MS-spezifischen Antikörpern zu suchen.

Wie ist der Verlauf?

Der Großteil der MS-Erkrankungen verläuft in Schüben, die sich durch neurologische Ausfälle kennzeichnen. Diese Symptome können sich nach einigen Wochen wieder teilweise oder ganz zurückbilden. Allerdings gibt es auch progrediente, also fortschreitende Formen der MS, bei denen sich die Symptomatik im Laufe der Zeit verschlechtert und keine einzelnen Schübe definierbar sind.

Schubförmiger Verlauf

Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung mit einem Schub.

Innerhalb von Stunden oder Tagen treten Beschwerden auf, die bis zu mehreren Wochen oder gar Monaten anhalten können. Hierbei wandern Entzündungszellen von der Blutbahn in das zentrale Nervensystem, wodurch es in der unmittelbaren Umgebung bestimmter Venen zu herdförmigen Entzündungen und Entmarkungen kommt, also dem Verlust von Hirn- und/oder Rückenmark. Außerdem kommt es zu Schäden der Nervenfasern.

Progredienter Verlauf

Beim progredienten Verlauf nehmen die Symptome immer weiter zu. Hierbei wird zwischen der primären und sekundären progredienten Verlaufsweise unterschieden.

Primär progrediente MS ist die schwerwiegendste Form von MS, denn sie schreitet stetig und rasch voran. Von Krankheitsbeginn an nehmen die Symptome in unterschiedlicher Geschwindigkeit ständig zu. Hierbei kann es zu vorübergehenden Besserungen und Stabilisierungen kommen.

Die sekundär progrediente MS beginnt schubförmig und führt zu einer kontinuierlichen funktionellen Verschlechterung, welche aber auch zu gelegentlichen Schübe und kleineren Remissionen (vorübergehender Nachlass der Symptome) führen kann.

Ein schubförmiger MS-Verlauf kann jederzeit in einen sekundären progredienten Verlauf übergehen, oft schon unmittelbar nach dem ersten Auftreten der Erkrankung.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Aktuell gibt es noch keine Heilungsmöglichkeit für die MS. Jedoch lassen sich die Symptome durch moderne medizinische Maßnahmen meistens gut kontrollieren, sodass Betroffene ein normales Leben führen können. Bei einem akuten Schub werden hochdosierte Glukokortikoide intravenös gegeben. Da Glukokortikoide die Entzündungen im zentralen Nervensystem hemmen, kann eine solche Therapie zu einer schnellen Besserung der neurologischen Ausfälle führen. Im Verlauf kommen weitere Immunsuppressiva zum Einsatz, welche die Krankheitsaktivität verringern sollen. Wichtig ist zudem, spezifische Symptome gezielt anzugehen. Berichten Betroffene zum Beispiel über Spastiken, kann dem durch bestimmte Medikamente oder eine Physiotherapie entgegengewirkt werden. Bei Sprechstörungen ist eine Logopädie zu empfehlen. Bei anhaltenden Lähmungen sollte über die Versorgung mit Hilfsmitteln (wie zum Beispiel Gehhilfen) nachgedacht werden.

Bei MS wird zwischen der Schubtherapie und der immunprophylaktischen Therapie unterschieden. Mit der Schubtherapie wird der akute Schub behandelt, mit der immunprophylaktischen Therapie soll die Anzahl sowie Schwere der Schübe reduziert werden. Die immunprophylaktische Therapie wird oft schon früh eingesetzt, denn mit ihr sollen spätere Behinderungen verhindert werden. Tritt ein Schub auf, wird beim Patienten hochdosiertes Cortison eingesetzt und je nach Erfolg wird die Dosierung erhöht. Führt dies zu keinem Erfolg, wird eine Blutwäsche durchgeführt.

Zur Vorbeugung von Schüben wird zwischen zwei Therapiestufen unterschieden, nämlich der „milder/moderater Verlaufsform“ und „(hoch)aktiver Verlaufsform“.

Basistherapie bei milder/moderater Verlaufsform

Bei der milder/moderater Verlaufsform werden Glatrimeracetat oder Beta-Interferone eingesetzt. Durch den Einsatz dieser immunmodulatorischen Medikamente werden geschädigte Prozesse gehemmt und schützende Prozesse des Immunsystems geschützt.

Eskalationstherapie bei (hoch)aktiver Verlaufsform

Ist der Verlauf bei einem Patienten stärker und schlägt dieser nicht auf die Basistherapie an, wird diese Therapie notwendig. Möglich ist hier eine monatliche Infusionstherapie, wodurch das Einwandern von Immunzellen (weiße Blutkörperchen) in die Entzündungsherde des ZNS verhindert wird.

Seit 2011 besteht durch das Medikament „Fingolimod“ eine weitere Behandlungsmöglichkeit – durch die Blockade eines bestimmten Rezeptors auf Immunzellen werden die Immunzellen in den Lymphknoten zurückgehalten und dadurch an der Einwanderung in das ZNS gehindert.

Seit 2013 wird der Wirkstoff „Alemtuzumab“ zur Therapie der schubförmigen MS bei Erwachsenen eingesetzt. Hierbei handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, welcher zur Elimination von Immunzellen im Immunsystem führt.

In seltenen Fällen werden auch Immunsuppressiva eingesetzt, wie sie bei einer Krebserkrankung in Frage kommen. Die Spiegeltherapie wird häufig als Begleittherapie eingesetzt.

Welche Symptome verursacht die MS?

Die MS ist das Chamäleon unter den neurologischen Krankheiten. Je nachdem, wo im zentralen Nervensystem die Läsionen liegen, geht sie mit unterschiedlichen Symptomen einher. Ein häufiges Erstsymptom ist die sogenannte Optikusneuritis, die eine Entzündung des Sehnervs darstellt. Diese geht mit einer akuten Verschlechterung der Sehleistung einher. Zudem können Sensibilitätsstörungen und Lähmungen am ganzen Körper auftreten. Ist das Kleinhirn betroffen, kann es zu Sprechstörungen kommen. Zudem werden verschiedene psychische Veränderungen beschrieben wie Konzentrationsstörungen und Depressivität.

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