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Spiegeltherapie: Mentales Training nach einem Schlaganfall

Was ist die Spiegeltherapie, und wie kann sie nach einem Schlaganfall helfen?

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Spiegel­therapie: Mentales Training nach einem Schlag­anfall

Was ist die Spiegeltherapie, und wie kann sie nach einem Schlaganfall helfen?

Jede Hirnregion ist für bestimmte Funktionen zuständig – dazu gehören Bewegungen mit den Händen, die Fähigkeit zu Fühlen und auch unser Schmerzempfinden. Bei einem Schlaganfall kommt es zur Schädigung dieser Hirnregionen, wodurch Patienten nicht selten unter eingeschränkten Arm- und/oder Beinfunktionen sowie Schmerzen in der gelähmten Körperhälfte leiden.

Aufgrund der Schädigung der Hirnregionen wird auch die Wahrnehmung der betroffenen Körperregionen gestört. Um die geschädigten Bereiche im Gehirn anzusprechen und die eingeschränkte Wahrnehmung der Körperregionen zu stabilisieren, ist die Spiegeltherapie eine bewährte medizinische Methode.

Rehago | Spiegeltherapie

Was ist die Spiegeltherapie?

Diese Form der Therapie wurde bereits 1966 in Indien für die Behandlung von Phantomschmerzen bei Personen mit amputierten Gliedmaßen erfunden. Seit einigen Jahren gewinnt die kognitive Therapie auch in anderen Teilen der Welt an Bedeutung.

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Wie sieht die Spiegeltherapie in der Praxis aus?

Das Prinzip der Spiegeltherapie ist so einfach wie genial: Vor den Patienten wird im rechten Winkel zur Körpermitte ein Spiegel platziert. Die Rückseite des Spiegels verdeckt dabei die beeinträchtigte Körperhälfte der Patienten so, dass das Blickfeld nur auf die gesunde Körperhälfte ausgerichtet ist. Vor dem Spiegel führen die Patienten mit der gesunden Körperhälfte dann diverse Koordinationsübungen durch. Lassen sie sich bewusst und mit viel Konzentration auf die Illusion ein, so entsteht das Bild, die Übungen würden mit den beeinträchtigten Extremitäten durchgeführt.

Oder anders ausgedrückt: Der gesunde Teil des Körpers wird Berührungsreizen ausgesetzt und das Gehirn interpretiert diese so, als kämen diese Reize vom kranken Körperteil. Das erweckt beim Patienten den Eindruck, als wäre die geschädigte Gliedmaße wieder vorhanden.

Wann wird die Spiegeltherapie eingesetzt?

Pro Jahr werden etwa 500.000 Menschen neu mit einer halbseitigen Lähmung (Hemiparese) diagnostiziert – allein in Deutschland. Dies entspricht fast einem neuen Betroffenen pro Minute. Weltweit sind rund 25 Millionen Menschen durch partielle oder ganz­körperliche Lähmungs­erscheinungen im Alltag stark eingeschränkt. Oft können die Betroffenen weder ihren Hobbys und ihrer Arbeit noch ihrem Sozialleben wie gewohnt nachgehen.

Hemiparese durch Schlaganfall

Nach einem Schlag­anfall kommen die Hirn­regionen von Patienten häufig zu Schaden, was zu Schmerzen oder Lähmungen führen kann. Die Spiegel­therapie kann die Wahrnehmung dieser Körper­teile stabilisieren.

Phantom­schmerzen

Nach der Amputation eines Körper­teils verspüren Patienten häufig die nicht mehr vor­handene Glied­maße. Durch die Spiege­ltherapie wird „simuliert“, dass der amputierte Körper­teil noch vorhanden ist, was die Schmerzen bei Patienten lindert.

Hemiparese durch Gehirn­blutungen

Bei einer Hirn­blutung formt sich ein Blut­erguss im Hirn­gewebe, welcher durch Platzen eines Blut­gefäßes entsteht. Daraus resultieren nicht selten schwer­wiegende Folgen, wie beispielsweise Funktions­störungen im betroffenen Bereich oder teilweises Absterben des Hirngewebes.

Multiple Sklerose

Unser Gehirn besteht aus Milliarden von Nerven­zellen, die Entzündungs­herde bei Multipler Sklerose (MS) sind jedoch unter­schiedlich im Gehirn verankert. Sogenannte Spiegel­neuronen sind für das Wieder­erlernen bestimmter Handlungen verantwortlich und das funktioniert auch, indem wir diese Handlungen beobachten. Hier greift die Spiegel­therapie als bewährte Behandlungs­methode.

Weitere Anwendungs­gebiete​

  • Komplex-regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
  • Allodynie
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Essstörungen

Einschränkungen der analogen Spiegeltherapie

Der wichtigste Faktor für einen erfolgreichen Wiedereinstieg in ein eigenständiges Leben ist ein konsequentes und intensives Training. Doch ein weit verbreitetes Problem bei der neurologischen Rehabilitation ist, dass die empfohlenen Trainingspläne nicht regelmäßig eingehalten werden. Oft sind die Übungen nicht sehr motivierend und kleine Veränderungen erst nach einiger Zeit spürbar. Hinzu kommt, dass die Übungen ohne Anleitungen oftmals nicht korrekt ausgeführt werden können.

Die richtige Motivation spielt daher eine entscheidende Rolle und kann ein Schlüssel zum Erfolg sein. Bei der Spiegeltherapie ist zudem Immersion, also das mentale “Eintauchen”, entscheidend. Damit die Illusion bei den Patienten entstehen kann, ist viel Konzentration und Geduld gefragt.

Bei der analogen Therapieform  ist das mögliche Bewegungsspektrum durch die Verwendung eines feststehenden Spiegels begrenzt. Sobald das Spiegel­bild des gesunden Arms nicht mehr vollständig zu sehen ist, kann die Illusion zusammenbrechen.

Nebenwirkungen

Da mit dem gesunden Arm trainiert wird, hat die Spiegeltherapie keine direkten negativen Auswirkungen. Jedoch kann die starke Konzentration auf das Spiegelbild körperliche Reaktionen wie Schwitzen oder Schwindel hervorrufen. In diesem Fall muss die Therapie unterbrochen werden.

Die digitale Spiegel­therapie

Rehago überträgt die Methoden der Spiegeltherapie in eine virtuelle Realität (VR). Hierfür muss sich der Patient nur eine VR-Brille aufsetzen. In dieser virtuellen Realität sieht der Patient, wie sich sein gelähmter Arm bewegt. Diese sichtbaren Bewegungen erfolgen wie bei der herkömmlichen Spiegeltherapie über die Bewegung des gesunden Arms.

Ziel ist auch hier die Reaktivierung der geschädigten Bereiche im Gehirn.

Welche Vorteile hat dieser Ansatz?

Die Übertragung in eine virtuelle Realität bietet neue Übungsmöglichkeiten, da sie nicht mehr auf Bewegungen im Bereich des Spiegels beschränkt ist. Es ist möglich, die Therapie mit verschiedenen Spielen zu verbinden (Stichwort Gamification). So haben die Patienten mehr Spaß an den Übungen und empfinden sie als weniger anstrengend. Dies führt zu längerem und häufigerem Training.

Das System erkennt automatisch die richtigen Bewegungen und gibt entsprechende Rückmeldungen. Die interaktive Anleitung ermöglicht es jedem Patienten, selbstständig und bequem zu Hause zu trainieren.

Funktioniert dieser Ansatz?

Für das Jahr 2020 sind Studien und Tests in Zusammenarbeit mit mehreren Kliniken geplant.

Bisherige Studien belegen positive Ergebnisse der Spiegeltherapie. Zudem wurde der erfolgreiche Einsatz von VR-Spielen in der Therapie dokumentiert. (Mehr Informationen unter Fallstudien.)

Insgesamt gilt in diesem Kontext: Mehr Therapie führt zu besseren Erfolgen.

Sie möchten bei Rehago auf dem Laufenden bleiben?

Sie haben noch Fragen rund um das Thema Spiegel­therapie?

Dann kontaktieren Sie gerne unseren Experten André Metzeroth. Er hilft Ihnen bei Fragen und Anregungen rund um das Thema.

Erreichen können Sie André per E-Mail unter a.metzeroth@rehago.eu

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